Niveau and der Zhejiang Universtiy of Science and Technology (ZUST)

Dienstag, 18.11.2014

Folgende Email hat gestern alle ausländischen Studenten unserer Kindertagesstätte ...äähh... ich meine Universität erreicht:

Email aus dem Office

Für diejenigen, die kein Englisch sprechen hier eine Übersetzung - ich bemühe mich den sprachlichen Stil der Email dabei nicht allzu sehr zu korrigieren ...äähh... zu verändern.

Liebe Studenten alle,

Seit dem Tag die ZUST internationale Studenten haben, gab es viele Unfälle nachdem Studenten in die Kneipe gegangen sind. Letzte Woche war da ein Europäischer Student, der war betrunken, nachdem er in der Kneipe getrunken hat und der hat Aua an seinem Bein gehabt und eine Operation musste sich um das Bein kümmern. Noch ein Afrikanischer Student war betrunken und hat ein Chinesisches Elektrofahrrad kaputt gemacht und dann hatte er einen Konflikt mit Chinesischen Leuten. Wir sind hier, um euch vorzuschlagen, dass alle Studenten nicht in die Kneipe gehen oder, falls möglich, weniger in die Kneipe gehen. Ihr seid Studenten hier und ihr solltet eigentlich studieren in China. Ihr seid Studenten und ihr solltet das Geld eurer Eltern sparen. Lasst die Schule und eure Eltern sich keine Sorgen um euch machen.

Beste Grüße,

Schule für Geisteswissenschaften und Internationale Bildung

Nach dem dritten Lesen dieser Email und einigen herzhaften Lachern ist meine Stimmung plötzlich umgeschlagen, denn ich habe realisiert, wie tief das Niveau hier wirklich ist. Es ist kein Wunder, dass seit ich in China bin, ich nicht mehr von Professoren, Kommilitonen, Hörsälen und Vorlesungen spreche, sondern von Lehrern, Mitschülern, Klassenzimmern und Unterricht. Nicht genug, dass das akademische Niveau an dieser Bildungseinrichtung eine absolute Katastrophe ist, wir werden hier auch eher wie eine Gruppe Neuntklässler auf Klassenfahrt behandelt. Ich möchte alle zukünftigen Studenten der ZUST bitten sich vorher intensiv mit den Gegebenheiten hier auseinanderzusetzen. Denn obwohl man hier durchaus eine schöne Zeit hat und viele neue Menschen und Orte kennenlernt, sich kulturell und sprachlich bildet, sowie ein großes Stück an Lebenserfahrung dazugewinnt, so geschieht dies doch auf Kosten der Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und des akademischen Niveaus.

So amüsant die Email also scheinen mag, es ist eigentlich ein Armutszeugnis, dass sich die ZUST hier ausstellt. Wer nun glaubt, die Email sei ein Einzelfall, den muss ich enttäuschen. Über die zwei Semester verteilt haben uns knapp zwanzig ähnliche Emails erreicht. Wer also noch nicht genug hat, der findet unten noch ein paar mehr Beispiele aus dem Kuriositätenkabinett des internationalen Büros.

"international students make noise or play loud music at day and night [...] we should respect other people and do not make noise in your room [...] do not bring shame for your country"

Dies ist ein Lieblingsthema des Offices. Die bösen Ausländer, die das friedliche und ruhige Landleben stören. Wenn ein chinesischer Straßenhändler mit plärrendem Lautsprecher zwanzig Minuten vor meinem Fenster steht und seine Produkte anpreist, in dem er immer und immer wieder denselben Satz abspielt, dann ist das völlig in Ordnung. Auch ein Feuerwerk am Sonntagmorgen um 08:30 Uhr scheint kein Problem darzustellen. Aber wehe ein Ausländer hat mal den Fernseher zu laut - ooohhhhh... das schreit nach Verwarnung oder sogar Ausweisung!

"you must give us the feedback of your tracks during recent months and provide relevant certification materials. If you hide the truth, you have to bear the legal liability completely yourself"

Was als Idee zur Ebola Kontrolle und Eingrenzung dienen sollte, ging leider ein wenig nach hinten los, denn es hat sich so gut wie keiner auf die Email hin beim Büro gemeldet. Das war meiner Meinung nach auch gut so, denn hätten alle 600 Studenten einen ausführlichen Bericht über ihre Reiseroute im Sommer geschickt, so wären die ohnehin schon überlasteten Mitarbeiter bis 2018 damit beschäftigt gewesen dies alles nachzuprüfen.

"arrange your work and rest time reasonably. Make reasonable holiday schedule including study, sports, rest and so on"

Sobald ein Feiertag vor der Tür steht, schickt das internationale Büro eine Email mit Hinweisen zur Gestaltung der freien Tage raus. Damit ja niemand auf die Idee kommt in "die Kneipe" zu gehen, wird einem vorsichtshalber vorgeschrieben, was man zu tun hat: Lernen, Sport und Ausruhen!

"please do not drink a lot especially in club. We wish you a happy summer vacation"

In die gleiche Kategorie fällt dieser Satz. Denn Alkohol ist grundsätzlich der Feind. Ist ja an und für sich auch richtig so, aber ist man mit Anfang/Mitte zwanzig nicht alt genug dies selbst zu entscheiden?

"if you meet the typhoon outside, please find somewhere to stay as a safe haven"

Ende des Sommers bedrohte ein Taifun China. Zwar nicht Hangzhou, sondern eher den 1500 km entfernten Süden des Landes, aber es hätte ja durchaus geschehen können, dass man dem Taifun trotzdem begegnet. Gut, dass diese Email uns gewarnt hat, meine natürliche Reaktion wäre gewesen: "Hey Mr. Typhoon, nice to meet you. Wanna grab a beer at the bar"?

"fumigate your environment & dispose off the carcasses properly"

Der letzte Satz, der so viel bedeutet wie "vergast eure Umgebung & beseitigt die Kadaver ordnungsgemäß", stammt aus einer Email zur Ebola Prävention. Ihr seht, manche Dinge sind so verstörend, dass man nicht mal mehr drüber lachen kann.

Was ist verkehrt mit dieser "Universität"? Verratet es mir!

Und plötzlich ist es Weihnachten

Sonntag, 16.11.2014

Ich erinnere mich irgendwann am Anfang mal geschrieben zu haben, dass ich mir noch nicht sicher bin, ob ich das mit dem Blog überhaupt durchziehen werde, weil eigentlich klappt so was bei mir ja immer nicht so gut. Aber meine mich ständig triezende Fangemeinde sorgte bis zum Sommer dazu, dass wenn mal eine Woche lang kein Blog erschien, ich ein schlechtes Gewissen bekam und wieder etwas veröffentlichte. Das geschah in letzter Zeit nicht ganz so häufig, weshalb ich letztes Wochenende ja die große "catch up" Aktiongestartet habe und die Erlebnisse der letzten zwei Monate niedergeschrieben und veröffentlicht habe.

Und jetzt? Jetzt ist plötzlich schon Weihnachten! Zumindest bei Starbucks. Aber im Gegensatz zu Deutschland, wo meistens schon an meinem Geburtstag Ende August die ersten Spekulatius in den Regalen stehen, geschieht das in China irgendwie plötzlicher. Da Weihnachten ja traditionell in China nicht gefeiert wird, obwohl einige moderne Chinesen ähnliche Bräuche entwickeln, gibt es auch deutlich weniger Weihnachtsdekoration in den Läden, keine Schokoweihnachtsmänner und kein Last Christmas im Radio. Der einzige Laden, der so richtig auf den Polarexpress aufspringt, ist Starbucks. Daher war ich ein wenig überrascht, dass es von einem Tag auf den anderen das volle Weihnachtsprogramm angesagt war. Weihnachtsbaum, Cranberry White Chocolate Mocha, Tiramisu und Toffee Nut Latte, rote Becher mit Schneeflocken drauf und jazzige Weihnachtsmusik erschlugen mich förmlich, als ich völlig unvorbereitet mit Sonnenbrille bei angenehmen 20 Grad mit dünner Jacke auf meinem Roller vorfuhr. Aber ok, Weihnachten lässt sich nicht aufhalten und ein bisschen freue ich mich ja auch schon drauf, denn wenn alles klappt, wie es soll, dann bin ich nicht erst Heiligabend, sondern schon in der Woche nach Nikolaus wieder in Deutschland.

 

Die Sache mit dem Roller

Mittwoch, 05.11.2014

Nachdem ich mir bei versehentlichem Losfahren mit Schloss am Rad den Vorderreifen meines Rollers zerschossen hatte, musste ich gestern den freundlichen Obsthändler an der Ecke aufsuchen, der neben seiner Schlosserei auch noch eine Reparaturwerkstatt für Fahrräder und E-Bikes hat.

Nach dem er meinen Reifen begutachtet und das Loch endlich gefunden hatte, lallte er auf bestem Hangzhou Dialekt etwa folgendes „ooohohhhrrrgggbuhaaoooorrghhhorogggaargghhhhmmmmm...“ Dank meiner inzwischen fortgeschrittenen Kenntnisse der Deutung dieser Klingonisch klingenden Laute war mir sofort klar – das wird nichts mit reparieren. Er versuchte es trotzdem, weil er mir glaube ich beweisen wollte, dass er recht hatte und als der Reifen geflickt war und immer noch Luft verlor, bot er mir einen neuen an.

sehr sehr traurig... Schlosser/Obstverkäufer/Mechaniker schraubt das neue Rad an

Zwanzig Minuten und 120 Yuan später lief das Fortbewegungsmittel meiner Wahl wieder und ich konnte die 600m zurück nach Hause fahren! Als Dankeschön an mein Bike für die vielen Kilometer mit nur einem kaputten Reifen entschloss ich mich es heute (zum ersten Mal seit Kauf) zu waschen. Ein Stückchen außerhalb unserer Siedlung befindet sich eine „Werkstatt/Waschanlage/Wohnzimmer“, indem man für gerade mal 5 Yuan seinen Roller waschen lassen kann. Es sieht zwar alles recht dubios aus und ich wurde von den einheimischen Autoschraubern ein wenig skeptisch begutachtet, aber dann kam doch die Dame des Hauses noch in Schlafanzug aus der Tür, unterbrach das Essenkochen und schrubbte meinen Roller sauber.

zur Belohnung wird er mal richtig geputzt dass die Frau dabei einen Schlafanzug trägt, scheint niemanden außer mich zu wundern

Mal wieder etwas sehr skurriles

Dienstag, 14.10.2014

Zwei Übernachtungen im 5 Sterne Hotel in Hangzhou, großes Gala Dinner am Freitagabend und ansonsten die komplette Verpflegung inbegriffen. Das alles für umsonst. Auf dieses Angebot ließ ich mich am letzten Wochenende ein; der einzige Haken dabei war ich musste für 48 Stunden vergessen, wer ich bin.

Mir wurde eine Visitenkarte mit einem neuen Namen und einem Beruf überreicht und folgende Grundregeln übermittelt:

  • niemand darf wissen wer und was du wirklich bist
  • niemand darf deine Visitenkarte sehen
  • am besten denkst du dir einen anderen Namen aus als auf der Karte steht
  • keiner bekommt deine echten oder falschen Kontaktdaten
  • du sprichst kein Wort chinesisch
  • du musst möglichst viele Informationen von deinem Gegenüber erfahren

meine neue Identität - die Firma hat zumindest ne Website

So schickte man mich mit etwa 40 anderen internationalen Studenten auf die Seidenmesse in Hangzhou. Wir waren plötzlich keine Studenten mehr, sondern junge Geschäftsleute auf der Suche nach Kontakten und den günstigsten Preisen für seidene Schlafanzüge, Schals, Bettwäsche, Hemden und vielem mehr. Nur anstelle, als Einkäufer über die Messe zu laufen, saßen wir, wie die Hühner auf der Stange, in kleinen Kabinen und warteten darauf, dass sich jemand in die hinterletzte Ecke des Messegeländes verlief und uns Produkte anbot.

Nun war unsere Platzierung nicht das einzige Problem, denn wer schon mal in China war, der weiß, dass genügend Visitenkarten das A und O sind. Natürlich kann es mal passieren, dass einem die Karten ausgehen, jedoch ist es ziemlich unglaubwürdig, wenn dies allen 40 internationalen Geschäftsleuten früh morgens am ersten Tag der Messe passiert. Auch dass man als Käufer auf Kundschaft wartet, sobald welche kommt man aber nichts kaufen will sondern nur Informationen sammeln möchte ist im Einzelfall ok, aber das ganze mal 40? Sehr fragwürdig, allerdings schien es die meisten Chinesen nicht zu interessieren und so schüttelte ich munter Hände, ließ mich vom Dolmetscher zur Besichtigung eines Seidenwerks einladen und sammelte fleißig Visitenkarten und Informationen.

hier saßen wir alle aufgereiht und warteten auf das große Geschäft - sogar für China ist das unüblich voll bei der Arbeit - ein Studentenjob, mit Luxus als Bezahlung, sehr interessant

die Messe an sich war recht überschaubar

das Hotel war wirklich gut - ich hatte seit langem mal wieder eine Badewanne

Das Ganze wurde von einer Agentur organisiert, die sich ansonsten um Models und Musiker kümmert. Eine Dame der Agentur sagte mir, all diese 40 Firmen würden tatsächlich existieren und hätten sich auch zu der Seidenmesse angemeldet, nur leider mussten sie alle kurzfristig absagen. Damit nun die Messeveranstalter nicht allzu überrascht seien, dass von den 40 angekündigten ausländischen Firmen keine aufgetaucht ist, seien wir heute da und retten den Tag.

So verbrachte ich einen ziemlich skurrilen Tag auf der Messe und machte einem Dutzend chinesischen Geschäftsmännern Hoffnungen auf das große Geschäft mit meiner Firma in Deutschland. Das einzige was mir dazu noch einfällt ist:

T.I.C. – This is China!

Yellow Mountains - Die Berge mit den Treppen

Dienstag, 07.10.2014

In der Nachbarprovinz, etwa vier Stunden Autofahrt von Hangzhou entfernt, liegen die Yellow Mountains. (nicht zu verwechseln mit den blauen blauen Bergen ) Ein Kommilitone, der öfters mal kleine Touren für uns Austauschstudenten organisiert, lud uns also auf eine kleine zwei Tages Tour in besagtes Gebirge ein. Um acht Uhr morgens fuhr der kleine Bus vor der Uni los und hätte sich der noch etwas müde und verstrahlte Busfahrer nicht mehrfach verfahren, dann hätten wir sicher auch keine sechseinhalb Stunden gebraucht.

Angekommen machten wir uns direkt auf den Weg den Berg hinauf – was für die anwesenden Chinesen schier unglaublich schien, denn wir reihten uns nicht in die lange Schlange zur Seilbahn ein, sondern machten uns zu Fuß auf den Weg die Treppe – ja in China ist Bergsteigen nur auf Treppen möglich – hinauf.

nichts geht ohne Treppen

Mit zunehmender Höhe fielen die Temperaturen und es stiegen die Preise. Glücklicherweise wurden wir vorgewarnt und jeder hatte warme Klamotten und genügend Proviant für die zwei Tage dabei. Eine Flasche Wasser, die ich mir dann doch irgendwann kaufen musste, kostete anstelle des gewohnten Supermarktpreises von 2 Yuan (ca. 25 Cent) plötzlich 20 Yuan. Der Preis lässt sich aber durchaus rechtfertigen, denn Wasser ist schwer und es muss ja irgendwie den Berg hoch. Natürlich gibt es die Seilbahn, jedoch ist es günstiger für die Hotels und Shops Träger zu engagieren, die für 200 Yuan alles, was man so braucht, den Berg hochschleppen und Müll wieder mit runter nehmen. So sahen wir auf unserem Weg nach einige ziemlich stramme Waden, denn ein paar Tausend Stufen jeden Tag mit bis zu 80 Kilo Reis, Öl, Müll oder sogar Stahlträgern auf dem Rücken, scheint ganz gutes Training zu sein – vorausgesetzt man überlebt es. Aber auch dafür gibt es eine Lösung. Wer stürzt, sich verletzt oder einfach genug Geld, kein Schamgefühl und keine Lust mehr hat, der kann sich von zwei Chinesen auf einem Stuhl mit zwei langen Stöckern den Berg runter (oder eben auch hoch) tragen lassen.

Sonnenaufgang von den B-Plätzen Sonnenuntergang - schlechtes Wetter schreckt doch keine Chinesen ab, wenn der Tourguide sagt gucken, dann wird geguckt  Mission Sonnenaufgang accomplished.jpg

Alles in allem war es ein super anstrengendes aber schönes Wochenende, dass zwar zur maximalen Erschöpfung und zu drei Tagen Muskelkater beitrug, aber auch ein paar tolle Ausblicke bot. Vor allem der Sonnenaufgang, zu dem wir uns extra aus dem Bett gequält hatten, hat sich gelohnt. Schöner wäre zwar gewesen, wenn nicht sämtliche Chinesen die gleiche Idee gehabt hätten und wir uns den Quadratmeter, der von der Aussichtsplattform noch übrig geblieben ist, nicht mit 20 ungeduschten Morgenmuffeln hätten teilen müssen.Massenansturm auf den Sonnenaufgang wieder unten angekommen tat alles weh  zwar nicht wirklich yellow, aber hübsch

Ein Tag in Haining

Mittwoch, 01.10.2014

Letztes Semester haben sich die meisten Deutschen einen chinesischen Sprachpartner gesucht, um gegenseitig die jeweils andere Sprache auch außerhalb des normalen Unterrichts zu lernen, aber auch direkt aus erster Hand ein bisschen chinesische Kultur kennenzulernen. Nachdem ich mit meiner Sprachpartnerin Antje im letzten Semester schon so einiges in Hangzhou unternommen habe, lud sie mich nun zu sich nach Hause ein, um ihre Heimatstadt kennenzulernen.

am Flutwellendeich, in dem Turm im Hintergrund wohnt glaube ich ein Geist oder so Stadtmauer zur Altstadt Antjes Pudel Alexander ein berühmtes altes schönes Haus

Antje wohnt in Haining, einer kleinen verschlafenen 70.000 Einwohner Stadt, etwa eine Stunde von Hangzhou entfernt. Neben ein paar kleineren Sehenswürdigkeiten ist Haining vor allem für eine gezeitenbedingte Flutwelle bekannt, die ab und an durch den Fluss schießt. Außerdem ist, aufgrund von viel Industrie, die Luftverschmutzung besonders hoch. Auch gab es 2011 einen Zwischenfall, bei dem 500 wütende Anwohner in eine Solarzellenfabrik eingefallen sind und Autos und Büros zerstört haben, da der von der Fabrik produzierte Giftmüll einfach in den Fluss geleitet wurde und ein Massensterben bei Fischen auslöste. Aber da es in China ja keine Proteste gibt, muss das wohl wieder einmal ein Angriff der kapitalistischen westlichen Lügenmaschinerie gewesen sein. (hoffentlich werde ich jetzt nicht "geblogt")

Nichtsdestotrotz hatte ich einen schönen Tag und habe neben Haining auch noch Antjes Eltern und ihren Pudel kennengelernt. Mein absolutes Highlight war aber die "Chinesische Kuchen Fabrik". Mitten in der Stadt stand ein Anhänger auf dem ein selbst zusammengeschraubtes motorbetriebenes Gerät stand, in das ein Mann ab und an Wasser, Mehl und irgendetwas anderes schüttete und vorne in einer Tour längliche Röhren herauskamen, die von seiner Frau in Säcke verpackt oder an verdutzt schauende Ausländer wie mich verschenkt wurden.

seltsamer Röhrenkuchen - im Hintergrund erkennt man die

Ach, und wer sich fragt warum Antje so einen Deutschen Namen hat und ihr Pudel Alexander heißt der muss wissen, dass die Chinesen es den Ausländern bei ihren Namen gerne einfach machen und sich englische oder in diesem Fall deutsche Namen geben - auch ihren Hunden!

Kaffeekochen mal anders

Sonntag, 21.09.2014

Die von euch, die mich kennen wissen, ohne Kaffee geht bei mir nicht wirklich was. Jegliche Versuche mein Koffeinverlangen zu bändigen scheiterten bisher auch schlicht und ergreifend aufgrund der Tatsache, dass guter Kaffee einfach lecker schmeckt. Dass ich hier in China wenig guten Kaffee bekommen werde, war mir ja eigentlich klar. Nachdem ich aber in Dalian plötzlich aus Deutschland importierte Filtertüten gefunden hatte, brach das Koffeinmonster aus meiner Seele und verlangte nach dem schwarzen Gold.

Das einzige Problem war, dass ich zwar noch aus Deutschland mitgebrachten Kaffee hatte und jetzt neuerdings auch Filtertüten – aber irgendwie fehlte mir die Maschine oder aber wenigstens so einen Filterhalter. Ich wäre aber nicht MacGyver, wenn ich mir nicht aus dem was ich in meinem Zimmer habe eine Kaffeemaschine bauen könnte. Also Trommelwirbel und Tadaa: Hier ist sie! (ok…den Wasserkocher hätte ich irgendwie noch direkt anbauen können…aber ich wollte es nicht übertreiben)

Erst ein Loch in den Becher pieksen... ...dann die Filtertüte falten... ...denn nur so passt sie problemlos in den Becher...

...dann das Pulver......Wasserkochen (aber bloß kein Leitungswasser)......aufgießen...

...auf eine Tasse platzieren und fertig ist der Kaffee!

 

 

Dalian - Eine Deutsche Woche

Sonntag, 14.09.2014

Als wirklich allerletzte Station meiner Reise ging es, nachdem ich Claudi zum Flughafen gebracht hatte, nach Dalian. Dalian ist mit gut 6,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt der nordöstlich gelegenen Provinz Liaoning. Die Stadt an und für sich ist relativ unspektakulär, jedoch lebt dort seit Sommer mein Freund Alfred, mit dem ich in Hangzhou ein Semester lang studiert habe. Da ich noch eine Woche freihatte, die Flüge nicht zu teuer waren und ich keine Lust hatte in Hangzhou zu sitzen und zu warten, dass die Uni wieder losgeht, entschloss ich mich Alfred für ein paar Tage besuchen zu fahren.

Als ich morgens in Dalian landete, hatte ich zwei Möglichkeiten: Taxi oder Abenteuer. Da Alfred nicht direkt in der Stadt lebt, sondern in der Nähe des Werkes, in dem er sein Praktikum macht, hätte mich die Taxifahrt etwa eine Stunde Zeit und ca. 15 Euro gekostet. Ich entschloss mich für Variante zwei, und nachdem mein Handy dank VPN einen Weg um die Zensurmaschinerie der chinesischen Regierung gefunden hatte, sah ich meine Route: ein wenig Fußweg, zwei verschiedene Busse durch die Stadt, eine Zugfahrt in die Außenbezirke und wieder Fußweg. Das Ganze sollte über drei Stunden dauern. Da Google aber wohl immer mit dem schlimmsten chinesischem Verkehr rechnet (sehr verständlich!), schaffte ich es aber tatsächlich in eineinhalb Stunden vom Flughafen zur Haustür und zahlte zu meiner Überraschung gerademal sechs Yuan (in etwa 75 Cent).

 

Alfred und ichEnglische Fahrpläne erleichtern den Ausländern das Reisen

Das gesparte Taxigeld nutzte ich direkt nach meiner Ankunft für einen ausgedehnten Einkauf, denn in Alfreds Wohnung gab es eine kleine Küchenzeile und seit Ankunft in China habe ich nicht mehr selbst in einem Kochtopf gerührt und war daher glücklich mich mal wieder austoben zu können. Essen sollte auch das Thema des Urlaubs bleiben. Wer sich an den Eintrag „Hefei bei Nacht“ erinnert, erkennt hier vielleicht ein Muster: Chinesische Inlandsreise + Alfred = mindestens 4 kg Gewichtszunahme. Aber der „kleine“ Vorort, in dem ich mich befand machte es quasi unmöglich nicht zu schlemmen… Ein gutes westliches Restaurant neben dem anderen, kleine gemütliche Bars, in denen zu günstigen Preisen deutsches Bier verkauft wurde und dazu auch noch Supermärkte, in denen man Käse, Kaffee, Schokolade, Wein und Prosecco bekam. Ich war im Paradies.

Dalian ist so europäisch, dass sogar Cafés ihren eigenen Kaffee rösten auch in sachen BILDung fehlt es in Dalian an nichts

Neben essen und schlafen schaffte ich es dann doch überraschenderweise einen Tag in die Stadt. Dalian ist jetzt nicht unbedingt spektakulär, aber durchaus ein schönes Städtchen direkt am Meer. Mit einem Sightseeingbus machten wir eine kleine Stadtrundfahrt in die schönen Außenbezirke an der Küste und erkundeten ein Luxushotel, die Hafenpromenade, wo wir auch zum Essen einkehrten, und das Wahrzeichen Dalians: Ein riesiges aufgeschlagenes Buch, auf dem sich abends die Menschen tummeln.

blauer Himmel und Sonnenschein über Dalian Das Luxushotel im Dunkeln Ausblick aus Alfreds Wohnung Vergnügungspark am Meer auf dem großen Buch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das ­Spannenste an dem Abend war jedoch die Rückfahrt. Da es super schwer war in der Gegend ein Taxi zu bekommen hielt ich kurzerhand ein autoähnliches Gefährt an, was irgendwie ein bisschen nach Taxi aussah. Nach kurzer Verhandlung mit dem Fahrer machten wir einen Festpreis aus und beteten, dass wir es bis nach Hause überlebten. Denn mit einem dreirädrigen Elektroauto auf der Autobahn zwischen LKWs eine Dreiviertelstunde durch die Nacht zu rasen verschaffte uns einen Adrenalinschub nach dem anderen. Zwischendurch, wenn es bergab ging, dann schaltete der Fahrer auch gerne mal den Motor ab - ich glaube er hatte Angst es nicht mehr zurückzuschaffen.

Nach einer teuren, aber tollen Woche schaffte ich es jedenfalls wieder zurück nach Hangzhou, wo mich der Unistart erwartete. Vielen Dank an Alfred an dieser Stelle für seine Gastfreundschaft! Wehe du bleibst für immer in Dalian - ich hab in Deutschland ein Sofa, das auf dich wartet!

Adrenalin pur - das Elektroauto

Auf großer Reise Teil X: Gastblogeintrag von Claudi - Ihre (fast) unvoreingenommene Sicht auf das Land (China)

Samstag, 06.09.2014

Ich bin Claudia (Julz Freundin) und wir haben schon, wie ihr ja bereits gelesen habt, drei Wochen Südostasien mit Höhen und Tiefen hinter uns.

Julz hat mich gebeten einen „Gastblog“ zu schreiben, da der letzte Teil unseres Urlaubs in China stattgefunden hat und ich auf dieses Land mit anderen Augen schaue als er – ich lebe dort schließlich nicht schon seit einem guten halben Jahr. So ganz unvoreingenommen bin ich ja doch nicht, ich habe vieles durch Erzählungen gehört, auf Fotos und Videos gesehen, war aber sehr gespannt, jetzt alles live erleben zu können. Aus diesem Grund konnten auch alle Überzeugungsversuche, doch noch ein anderes Land zu bereisen und nicht zurück nach China zu fliegen bei mir nicht fruchten: Ich wollte mir das mal „in echt“ anschauen und Bilder von meinem inneren Auge haben, wenn ich das nächste Mal eine Story aus Hangzhou höre . Das war der erste Grund, warum wir den Urlaub weniger als Touristen, sondern mehr als „Bewohner Chinas“ ausklingen lassen wollten. Der Zweite war der, dass die meisten Sehenswürdigkeiten (wie die Yellow Mountains, der 1000 Islands Lake,…) bewandert werden wollen, aber da ich noch nicht so richtig fit war, fielen sie aus.

Ich versuche euch mal ein wenig sortiert meine Eindrücke zu schildern:

Das Verhalten der Chinesen

Tja, was soll ich sagen, wenn ich versucht habe, in einem Wort auszudrücken, wie die Chinesen so sind, dann war es oft „unerzogen“. Sie haben andere Hygienestandards als wir, das war mir bewusst, aber, dass sie wirklich so viele Körpergeräusche von sich geben und alle das normal finden, war schon etwas befremdlich. Sie ziehen hoch, Naseputzen empfinden sie wohl als ekelig und spucken das (was auch immer es ist) dann aus, egal wo sie sind: vor deine Füße, im Tempel in die Blume,... Was viele von euch sicherlich wissen, ist, dass in China sehr viel mit den Händen gegessen wird und auch der Knochen, der schon mehrfach im Mund war, wird einfach wieder rausgeholt und noch mal angeschaut, ob auch wirklich alles abgeknabbert ist und dann zur Sicherheit noch mal abgenagt. Dabei schmatzen sie auch andauernd. Das tun sie auch wenn sie sich gerade mit ihren ungepflegten langen Fingernägeln in der U-Bahn etwas aus den Zahnzwischenräumen prokeln, bevor sie es in die Gegend schnipsen und dich dabei anglotzen, als wärst du ein Alien. Wo ich bei dem nächsten Punkt wäre: Alle, die nicht chinesisch aussehen, werden ungeniert angestarrt - von allen, die gerade nicht mit ihrem Handy spielen. Wir haben versucht, sie einfach zurück anzustarren, aber das hilft bei den Wenigsten. Manche haben sich sogar im Bus umgesetzt, um uns besser sehen zu können. Wenn die Chinesen dich aber nicht anglotzen oder mit ihrem Handy spielen, dann telefonieren sie – lautstark! Egal wo sie sind, sie telefonieren. Ich finde ja eh, dass sie nicht reden, sondern immer eher schreien, was daran liegen kann, dass sich die Sprache nicht sehr freundlich anhört, aber sie sprechen auch immer laut, auch wenn sie es gar nicht böse meinen. Für meine deutschen Ohren ist das sehr verstörend, wenn du immerzu angeschrien wirst. Ich verstehe sie ja noch nicht mal, aber auch das macht ihnen nichts. Du kannst ihnen mehrfach erzählen, dass du kein chinesisch sprichst (oder vielmehr es erzählen lassen) und sie labern dich trotzdem auf Chinesisch voll, ohne Punkt und Komma.

Draußen +25°C, drinnen -5°C

Busse, Taxen & Roller

Meine erste Begegnung mit dem chinesischen Straßenverkehr war nach unserem Flug, der mal wieder mitten in der Nacht ankam, die Busfahrt vom Flughafen Hangzhou in die Stadt, damit wir von da mit dem Taxi weiterfahren konnten. Eh sehr müde und am frieren, weil es bei Nieselregen nur knappe 20° waren, stiegen wir in eine Art Reisebus ein, der ansonsten voller Chinesen war, die alle vom Flughafen in die Stadt wollten. Ich saß zwar am Fenster, aber ich hatte zu keiner Zeit eine Ahnung, wo wir waren, weil alles nur in chinesischen Schriftzeichen zu sehen war; einfach alles waren in diese (wie man in Deutschland findet) schönen Zeichen „gemalt“. Was tut man nur, wenn man die nicht lesen kann? Und englisch spricht ja auch niemand… Am Ziel angekommen war klar, dass wir nun ein Taxi brauchen und ein jüngerer Mann kam gleich nach dem Aussteigen aus dem Bus – der gefühlt mitten auf einer mehrspurigen Straße hielt – auf uns zugestürzt und wollte wissen, wo wir hin wollten. Julz hat es ihm erklärt und er schnappte sich sofort unser Gepäck. Als Julz dann plötzlich laut wurde, hatte ich es endlich auch begriffen, es war eines der sogenannten „schwarzen Taxis“, die dich zwar auch überall hinbringen, aber ohne Taxomat und wenn du einmal drin sitzt, ist es zu spät und sehr teuer. Der Typ wollte uns aber unbedingt als Kunden haben, und fasste Julz am Arm… sein Fehler…

Ich fand mich dann kurze Zeit später in einem normalen Taxi wieder, das uns ganz offiziell zu Julz in die Wohnung fuhr, die wirklich sehr weit draußen ist. Äußerst interessant war die Abschottung der Taxifahrer von den Gästen: Sie sind durch Hartplastikwände um ihren Fahrersitz herum geschützt und es befinden sich kleiner Löcher darin, damit sie mit einem sprechen können – nein, die Schallwellen können nicht auch oben drüber oder unten drunter ;). Das „Rauchverboten-Schild“, das an dem Plastikschutz klebt, schien auch nur für die Gäste zu gelten, denn unser Fahrer zündete sich eine Kippe nach der nächsten an. Wenn man hinten sitzt (ich glaube aber auch nur hinter dem Beifahrer), kann man sogar zocken. Es ist dort ein kleiner Boardcomputer, so wie im Flugzeug, eingelassen, der aber wieder für Nicht-Chinesen schwer zu bedienen ist. Da Hangzhou ziemlich groß und der Verkehr nicht so gut organisiert ist, scheint es eine gute Ablenkung für die Fahrgäste zu sein. In China sind die Taxifahrer nicht der Meinung, dass sie einen unterhalten müssen, wie das in Deutschland leider meist der Fall ist. Außer wo man hin will (natürlich auf Chinesisch), reden sie erst wieder mit einem, wenn sie das Geld haben wollen.

Wir sind ein paar Mal Bus gefahren, auch das ist nicht so, wie ich es kenne. Man zahlt immer das Gleiche, egal wo man aussteigt und das kontrolliert noch nicht mal wer. Beim Einsteigen steckt man dem Busfahrer das Geld passend (sonst hast du Pech gehabt) in eine Vorrichtung, die aussieht, wie eine hässliche Metallspardose. Da diese Metallbox blickdicht ist, kann niemand wissen, was da nun reingeschmissen wurde, aber es scheint ja zu funktionieren. Die Busse sind immer voll, sodass man bei der Starthaltestelle einsteigen oder einfach Glück haben muss, um einen Sitzplatz zu bekommen. Und ob man dann an den verpekten Fenstern sitzen möchte, die immer mit Vorhängen zugezogen werden, weil ja sonst die Sonne (die man nicht so wirklich sieht, weil der Smog davor ist) reinscheint und blendet, sei dahingestellt. Dann stören einen aber auch die kleinen Krabbeltiere, die überall aus den Ritzen kommen nicht mehr so und die glotzenden Menschen eh nicht ;).

Ein weiteres sehr beliebtes Fahrzeug ist der Roller, in den meisten Fällen sogar der E-Roller, da die bei uns bekannten Roller mit Benzin in vielen Gebieten nicht erlaubt sind (aus Lärm- oder Umweltgründen). Julz hat sich auch ein Schmuckstück geholt und alle die den Blog brav von Anfang an gelesen haben wissen das und haben sogar ein Foto gesehen. Der Vorteil, wenn man Roller fährt, ist, dass die Verkehrsregeln nicht so wirklich gelten. Roller fahren grundsätzlich bei einer roten Ampel! Es gibt noch weitere Vorteile: Wenn man zum Beispiel nicht abbiegen kann, weil die 2-spurige Straße das nicht vorgesehen hat, man also weiter fahren und dann einen U-Turn machen müsste, dann fährt man einfach auf den Fuß-/Radweg, schlängelt sich durch die Metallstangen und fährt los, wenn die Fußgängerampel grün wird, schließlich ist man ja damit auch gemeint. Was mich aber am meisten fasziniert hat, sind die Extraspuren für Roller hinter den Bushaltestellen. Die Straßen, auf denen etwas mehr Verkehr ist, sind grundsätzlich 2- oder 3-spurig. Und eigentlich ist die rechte Spur die der Rollerfahrer. Wenn aber ein Bus anhalten muss, dann tut er das ja genau auf dieser Spur. Für genau diesen Fall gibt es hinter den Haltestellen eine Bucht, über die die Rollerfahrer den Bus rechts überholen und weiter auf ihrer rechten Spur fahren können – sollte man in Deutschland auch mal einführen.

Es gibt noch eine Regel, die für alle Verkehrsteilnehmer gilt, dass immer gehupt wird: Meistens um zu meckern, aber vor allem auch, um auf sich aufmerksam zu machen. Wenn man mit dem Roller einen anderen langsamen Roller überholen möchte, hupt man, der fährt rechts ran und man kann vorbei. Nur zum Grüßen benutz man die Hupe nicht, weil nicht gegrüßt wird.

Neee, das ist nicht der

Essen & Trinken

Das Essen war gar nicht so krass, wie ich es mir vorgestellt hatte. Es kann daran liegen, dass Julz mich (etwas geruchsempfindlich wie ich leider immer noch war) schonen wollte und mir deswegen die ganzen ekeligen Sachen nicht gezeigt hat, oder auch daran, dass er selber nicht so viel Lust auf das chinesische Essen hatte oder daran, dass Hangzhou menschenleerer war, als üblich, weil Semesterferien waren und dementsprechend das Angebot auch nicht so groß war… Ich weiß es nicht. Gut, wir waren auch nicht so wirkliche auf einem der vielen Nachtmärkte, aber die Nudeln von dem Ehepaar an der Straße fand ich ziemlich lecker, es ist schon ziemlich praktisch, wenn man einfach schnell auf den E-Roller steigt, auf ein paar Zutaten zeigt und gute 5 Minuten später ein fertiges Nudelgericht in den Händen hält. Und wir waren auch 2x in einem chinesischen Restaurant essen (im Grandma’s kitchen und im Green Tea) und das war sehr lecker. Ich konnte natürlich schon auf die Erfahrung von Julz und Hannah bauen, dass mir nur das auf den Tisch kommt, was mir auch schmeckt, aber in den Restaurants ist es nicht möglich etwas nicht-chinesisches zu bekommen.Grundsätzlich ist es nicht so einfach in China etwas nicht chinesisches zu bekommen, weswegen ich auch verstehen kann, dass man nach einiger Zeit Lust auf etwas anderes hat. Und es stimmt auch, dass man überall mit Stäbchen isst, was man dann notgedrungen ziemlich schnell lernt und dann macht es auch Spaß. Natürlich haben wir auch das typische Essen Baozi und Jiaozi gegessen, ich war jetzt nicht sooo begeistert, aber schlecht waren sie auch nicht.

Eine chinesische Delikatesse, die uns (leider) nicht erspart blieb waren die Mooncakes, von denen wir eine ganze Packung von Teky geschenkt bekamen. Diese kuchenähnlichen Dinger gibt es in einigen Geschmacksrichtungen. Wir hatten Rose, Grüner Tee, Schokolade und einige andere, an die ich mich nicht unbedingt erinnern möchte. Nicht nur die Konsistenz ist merkwürdig, sie ist wie halb gebackener Kuchen, der zu viel Fett im Teig hat und insgesamt nicht sehr gut vermischt ist, auch der Geschmack der einzelnen Kuchen ist unerwartet. Rose schmeckte zum Beispiel, als wenn man in eine Parfümwolke gebissen hätte, aber  Schokolade war braun, das war das einzige schokoladige an dem Cake. Aber sie sind sehr beliebt, so beliebt, dass sie ziemlich teuer sind und dass es sogar ein ganzes Festival für sie gibt, aber da war ich schon abgereist – schade!

Was mich aber schon sehr verwundert hat war, dass wir bei McDonalds nur Geflügel-Burger bekamen (wegen des Rindfleischskandals), der aber dafür ohne Salat war - nicht so lecker. Aber es ist eben alles ein bisschen anders am anderen Ende der Welt, dafür hat man aber einen Gutschein für einen Sojadrink bekommen, den niemand eingelöst hat. 

Was ich nicht wusste ist, dass die Qualität von Wasser in den abgefüllten Trinkflaschen sehr unterschiedlich ist. Der Preisunterschied lässt aber darauf schließen und da ist wahrscheinlich nicht der Transformer auf der Flasche schuld ;)

  TransformerwasserJulz und der Mooncake

Feiern & Shoppen

Da Julz einen Tag nach Landung in China Geburtstag hatte und in unserem bisherigen Urlaub das Feiern und Trinken bisher nicht stattgefunden hatte, haben wir ein paar seiner Kommilitonen und Freunde kontaktiert und sind nach einem leckeren Essen mit Hannah noch weiter ins Eudora (einer der Stamm-Bars der Mädels, da jeden Donnerstag Ladys-Night ist und man für einen Festbetrag einiges trinken und auch essen kann). Es gab Livemusik, Billard, Dart, draußen und drinnen Sitzplätze. Da es sich aber eher um eine internationale Bar handelt, waren sehr wenig Chinesen anzutreffen, viele Deutsche und auch viele Äthiopier. Die Stimmung war gut und ich konnte verstehen, warum Julz immer so viel feiern ist: es liegt gar nicht so an den Locations, ähnliche findet man auch in Deutschland, aber die Mädels und Jungs sind einfach super drauf und füllen jeden ab, der nicht wehement dagegen ist ;) Nach einem bis dahin eher ruhigen Abend, haben 2 Freundinnen (an dieser Stelle liebe Grüße an Hannah und Dani J) zu 00:00 ein Stück Schokokuchen (der gefühlt nur aus Schokolade bestand) mit einer Kerze und live Happy Birthday von der Band organisiert, sodass Julz wirklich richtig Geburtstag hatte. Nachdem dann die Ladys-Flatrate ausgekostet war, ging es noch für einen kurzen Abstecher in die Disco G+. Ja, man kann von Discos halten was man will, aber wenn man nach kürzester Zeit ein mega Fiepen auf dem Ohr und Halsschmerzen von Schreien hat, ist meiner Meinung nach etwas falsch (oder ich bin zu alt für so was). Auch dass Menschen, die nicht schön sind und auch nicht tanzen können, auf den Erhöhungen stehen und sich dort unrhythmisch bewegen und man immer Angst haben muss, dass sie gleich runterfallen oder irgendwas peinliches machen, so dass man sich fremd schämen muss, ist nicht so mein favorisiertes Feiern. Trotzdem war es sehr nett, weil die Leute mit denen wir da waren echt super sind und es deswegen Spaß gemacht. Nach ein paar (wie ich finde) doch relativ teuren Drinks, haben wir dann ein Taxi gesucht, dass uns so weit raus nach Shima fährt – das machen nicht alle, warum habe ich nicht verstanden, aber viele sagen einfach nein – und sind nach einem kurzen und sehr lustigem Geburtstagsskype mit T&T schnell ins Bettchen gegangen. So geht also feiern in China…

Shoppen unterscheidet sich da schon mehr von dem in Deutschland. Zwar gibt es viele Marken (wie Levis, Abercrombie, Adidas,…) auch hier, es findet aber in Hangzhou alles in Malls statt. Und es gibt keine Straßen mit kleinen Gassen, in denen man Lädchen findet und stöbern kann. Natürlich kann man auch außerhalb der Mall einkaufen, aber dann immer in Vierteln, in denen es nur das gleiche gibt. In einem Viertel findet man 20 Stoffläden aneinander gereiht, in einem anderen 20 Schmieden, und im nächsten 20 weitere gleiche Läden. Wie die sich alle halten, wissen wir nicht, aber es ist auch nicht unser Problem. Das Shoppen in den Malls ist jedoch nicht günstig, wie ich dachte, weil die Sachen zwar in China produziert, aber hier nicht direkt verkauft werden. Dazu fliegen sie oft erstmal in das Land des „Herstellers“ und kommen dann teuer wieder zurück.

Es sei denn, man geht auf den Fake-Market in Shanghai  Aber auch hier muss man wissen, was man kauft und einen so guten Handlungsführer haben, wie Ich dabei hatte. Wenn man in China lebt, muss man handeln können, weil man sonst ausgenommen wird. Der erste Preis, der genannt wird, ist meinst das Doppelte bis Dreifache von dem, was der Preis ist, auf den man die Verkäufer ohne Probleme runterhandeln kann. Und ich habe gelernt, dass wenn sie dir hinterher rufen und dich beleidigen, dann sind sie langsam an ihrer Preisgrenze angelangt und rufen dich meist zurück, weil sie doch noch ein Angebot für dich haben. Das ist ja so gar nicht meins, aber Julz ist schon ziemlich gut darin und weiß, was er tut. Merkwürdigerweise können die Chinesen hier im Fake-Market alle einigermaßen gutes Englisch – es geht doch J. Ich hätte mir aber den „Markt“ anders vorgestellt: Illegaler und im Freien. Er ist aber auf mehreren Etagen in einem ganz normalen Gebäude und draußen steht sogar dran, was man drinnen findet. Überall sind dann kleine offene Läden, die wieder alle in etwa das Gleiche verkaufen. Lustig ist, wenn man Interesse zeigt, aber im zu sehenden Teil des Ladens nichts passendes findet, wird wie durch Geisterhand eine Wand weggeschoben und dahinter ist der Laden noch mal genau so groß wie der, den man sehen kann. Ob das alles so legal ist.

Ähnlich ist es auch in der Pearlcity, nur dass man hier echte Perlen bekommt. Hier ist es genau so, dass alle Geschäfte dicht an dicht sind und offen sind. Und auch hier wird einem erst ein viel zu hoher Preis genannt, weil ja eine Perlenkette mit 35 Perlen den gleichen Wert hat, wie eine Kette mit einer Perle – verstehe ich nicht, aber egal. Es gibt eine unglaublich Auswahl an Ketten, Ohrringen, Armbändern, Ringen und was sonst noch so aus Perlen gemacht wird. Und wieder in jedem Laden in etwa das gleiche. Sehr faszinierend.

Wenn man in Shanghai in der Stadt shoppen ist, findet man alles, aber wie gesagt, nicht unbedingt günstig. Es gibt Apple-, M&M-Stores, und auch alle anderen namenhaften Läden in den Shoppingstraße (hier nicht nur in Malls). Auf der Straße selber sprechen einen aber auch immer wieder Straßenverkäufer an, die irgendwas verkaufen wollen und sehr hartnäckig an einem dran bleiben, bis man in einem Geschäft verschwindet. Und wenn es regnet, kommen Verkäufer mit Regenschirmen an, die wissen schon, wie sie Geld machen 

Bestes Shopping-Wetter Julz mit SuperFakeMario Außerhalb des Tempel... und innerhalb des Tempels mitten in Shanghai

Tja, das waren ein paar meiner Eindrücke und Erlebnisse aus der viel zu kurzen Woche in Hangzhou und Shanghai und außer einem Tempel haben wir „nichts“ gesehen. Aber ich kann jetzt viel besser die Genervtheit über die Chinesen verstehen und habe viele Bilder vor Augen, wenn Julz mir erzählt wo er ist oder was gerade passiert ist. Ich habe viele tolle Leute kennengelernt und verstehe mehr, wie Julz lebt. Das macht mir die letzte Phase unserer Trennung um einiges einfacher und ein kleines Stück erträglicher. 

Auf großer Reise Teil IX: Ein kleiner Umweg (Singapur)

Dienstag, 26.08.2014

Dieser Blogeintrag hätte eigentlich „Auf großer Reise Teil VIII: Der Süden Kambodschas“ oder so heißen sollen, allerdings hatten wir uns ja entschlossen zurück nach Singapur zu fliegen, um eventuellen medizinischen Notfällen vorzubeugen.

Vom Flughafen ging es direkt ins Hotel (unser Hostel vom letzten Mal hatte leider keine Doppelzimmer mehr frei) und im Hotel dann direkt ins Bett. Während Claudi sich ausruhte, kümmerte ich mich darum, dass geeignetste Krankenhaus ausfindig zu machen und einen Termin für einen weiteren Bluttest zu vereinbaren.

Die erste Infizierung mit Dengue verläuft in 90% der Fälle ohne größere Komplikationen und ähnelt einer Grippe. Neben Müdigkeit, starken Kopfschmerzen und natürlich hohem Fieber, treten häufig gerötete Haut sowie Schwellungen der Hände und Füße auf. Mit regelmäßigen Bluttests kann man verfolgen, in welchem Stadium der Krankheit man sich befindet. Zunächst fallen die weißen Blutkörperchen ab und nachdem diese wieder angestiegen sind, sinken die Blutplättchen. Manchmal, weshalb wir auch vorsichtshalber in ein Land mit besserer medizinischer Versorgung gefahren sind, fallen die Thrombozyten jedoch so weit ab, dass es zu inneren Blutungen kommen kann und man umgehend behandelt werden muss. Erst wenn die Anzahl der Plättchen wieder normalisiert hat, ist Dengue überstanden.

Ich kümmerte mich also so gut ich konnte um meine meistens schlafende Freundin und wir verbrachten die Zeit, bis wir den nächsten Termin in einer schicken Singapurer Privatklinik hatten, im Hotel. Obwohl das zweite Blutbild zeigte, dass die Thrombozyten immer noch nicht wieder angestiegen waren, ging es Claudi glücklicherweise schon viel besser. Daher war ein bisschen Kino, vorsichtig Shoppen und die Moschee in unserer Straße besichtigen schon wieder machbar. Optimistisch, dass die nächste Blutuntersuchung die letzte sein würde, buchten wir schon mal unseren letzten gemeinsamen Flug, der uns zurück nach China bringen sollte.

Stop Dengue Now

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